Praktikant in St. Anton

Mein Name ist Dominik Arnold und ich studiere an der Universität Luzern im dritten Semester Theologie. Anlässlich meines Pfarreipraktikums, das ich absolvieren muss bzw. darf, weile ich bis anfangs Februar in der Pfarrei St. Anton in der Stadt Basel. Einigen von Ihnen bin ich bereits begegnet.

Ich stamme aus Hochdorf im Luzerner Seetal. Nach meiner Erstkommunion wurde ich in die Minischar der Pfarrei Hochdorf aufgenommen. Diese Aufgabe führe ich bis heute mit grosser Freude aus. Seit sechs Jahren bin ich als Oberministrant zuständig für eine Schar von knapp neunzig Ministranten. In dieser Funktion organisiere ich Anlässe für die jüngeren Ministranten und unterstütze den Sakristan bei seinen Aufgaben. Gut zwei Jahre war ich zuständig für den Ministranten-Einsatzplan. Seit Mai 2016 bin ich ausserdem in selbiger Pfarrei als Lektor und Kommunionspender tätig. Die Kirche und mein christlicher Glaube haben mich also mein ganzes 22 Jahre junge Leben hindurch stets nahe begleitet. Wohl war es das, was mich bewegt hat, nach Abschluss meiner Matura an der Kantonsschule Seetal, das Theologiestudium aufzunehmen. In meiner Freizeit spiele ich gerne Tennis, Badminton und Squash und ich bin ein leidenschaftlicher Jasser.

Während der Zeit meines Praktikums erhalte ich einen differenzierten Einblick in den Alltag der Pfarrei und der Tätigkeiten der Seelsorge und der Diakonie. Ich lerne die vielfältigen Angebote und Vereine dieser Pfarrei kennen. Meinem ersten Eindruck nach ist es eine sehr lebendige Pfarrei. In der vierwöchigen Zeit hospitiere ich diverse Gottesdienste (in Kirche, Alters- und Pflegeheim), Tauf- und Erstkommunionvorbereitungen, Beerdigungen, die Essensausgabe, den Religionsunterricht, bei Pfarreiratssitzungen, bei Altersheim- und Hausbesuchen und bei Krankenkommunionen. Somit deckt mein Programm ein umfassendes Spektrum der kirchlichen Pastoral ab. Tag für Tag wächst mein Eindruck, wie die theoretischen Kenntnisse, die ich im Studium erworben habe, in die Praxis umgesetzt werden. Letztendlich gewinne ich dadurch viele Erkenntnisse für mein Studium und hinsichtlich meiner Berufswahl.

Im Speziellen freue ich mich auf die Einführung in die verschiedenen Bereiche der Seelsorge. Es liegt mir am Herzen auch Menschen beizustehen, die infolge sozialer Probleme, Krankheit, Unfall oder Gefängnisstrafe an den Rand der Gesellschaft gerieten. Im Alltag werden wir oft nicht mit deren Schicksal konfrontiert. Es ist für mich daher eine aussergewöhnliche Gelegenheit die entsprechenden Seelsorgenden im Gefängnis, im Spital und in weiteren Institutionen bei ihrer Arbeit zu begleiten.

Es gefällt mir bis anhin äusserst gut in der sehr lebendigen Pfarrei St. Anton und allgemein in der Stadt am Rheinknie, die ich als wunderschön empfinde. Leider muss ich diesen facettenreichen Ort schon bald mit einem vollen Koffer an Erfahrungen und Eindrücken wieder verlassen. Noch ist es allerdings noch nicht soweit. Ich freue mich von Herzen, Ihnen während meinem Praktikum zu begegnen und sie kennenzulernen.

Dominik Arnold


Anbetung der Weisen

Gedanken zum Jahreswechsel

Die Begegnung mit dem neugeborenen Jesus in der Krippe ist besonders. So war es für Maria und Josef, welche als erste das Geheimnis betrachteten. In gleicher Weise für die Hirten, welche bei dieser freudigen Nachricht nach Bethlehem eilten (Lk 2,16). Und für all die Leute, welche zugegen waren, als die Hirten eintrafen (Lk 2,18). Ähnlich war es bei den Weisen aus dem Morgenland. Denn nach der Begegnung „zogen sie auf einem anderen Weg heim in ihr Land.“ (Mt 2,12) Die Aussage ist zunächst äusserlich, sachlich: Sie wollten ein erneutes Treffen mit Herodes vermeiden. Das Gesagte bezieht sich ebenso auf das innere Geschehen. Die Weisen hatten die Zeichen gesehen, welche die Geburt Jesu angekündigt hatten. Sie gingen hin und sahen, dass der allmächtige und bisweilen schwer zugänglich scheinende Gott Mensch wurde – das heisst: das menschliche Leben in allem teilt, sein Gesicht zeigt, nahbar und ansprechbar ist. Und dann noch der Traum. Eine Heimkehr über die ausgetretenen Pfade des Alltagstrotts war unangemessen. Mit der Taufe hat Gott auch in jedem von uns Wohnung genommen. Hier möchte er sichtbar werden und wirken. In diesen Tagen stehen Jahresrückblicke an. Die Nachrichten rufen besondere Ereignisse ins Gedächtnis. Der 31.12. ist Stichdatum der Steuerbehörde und Anlass fürs persönliche Fazit im finanziellen Bereich. Mir steigen jeweils auch Erinnerungen aus anderen Lebensbereichen ins Bewusstsein – es ist eine Gelegenheit mein eigenes Jahr Revue passieren zu lassen. Ich persönlich fahre zum Jahreswechsel ins Kloster, gönne mir einen Tag der Einkehr. Diese Form mich an die Ereignisse, erhaltenen Gnaden zu erinnern, erlebe als stimmig und für mich passend. Und ich nutze die Gelegenheit zur Beichte, um das Jahr im Licht der Barmherzigkeit Gottes abzuschliessen. In der einen oder anderen Form scheint mir eine geistliche Bilanz allgemein sinnvoll. Es gibt Pfarreien, die mit ähnlichen Angeboten aufwarten. Auch beim schlichten Besuch in einer wohlig warmen Kirche kann man das in der Futterkrippe liegende Kind betrachten, können die Ereignisse des Jahres vor dem inneren Auge vorbeiziehen. Oder in einem Moment der stillen Besinnung zuhause. Das Gute und die freudigen Momente. Die verpassten Gelegenheiten, das Ungute oder was sonst noch auf dem Magen lag. Ein solcher Rückblick ist Anlass, Gott für alles zu danken und die Zeit und die Gelegenheiten des vergangenen Jahres in seine Hände zurückzulegen. Der Beginn des neuen Jahres ist nebst Sekt, Tischbomben und Feuerwerk auch fürs Fassen guter Vorsätze bekannt. Warum nicht einen Vorsatz für mein christliches Leben fassen? Mit der Jahresbilanz liegt eine gute Grundlage zur Beurteilung der Gesamtlage und zum Erstellen eines „Businessplans für die Seele“ vor. Ein Tipp: den gefassten Vorsatz an zwei oder drei Stellen in der Agenda vermerken – so bleibt’s ein Vorsatz fürs ganze Jahr. Fürs Fassen und Gelingen des Vorsatzes spricht ein weiterer Punkt: Das Fest der Gottesmutter Maria gleich zum Jahresbeginn. Sie bewahrte alles, was die Tage geschehen war, in ihrem Herzen und dachte darüber nach. Sie ist eine gute Schirmherrin auch fürs Jahr des Heils 2019. Und mit ihrer Hilfe wird‘s der gute Vorsatz auch über die ersten Januartage hinaus schaffen.

Pascal Bamert


 

Erinnern formt den Glauben

 

Wir feiern jeden Sonntag das Geheimnis unseres Glaubens: «Deinen Tod o Herr verkünden wir, deine Auferstehung preisen wir, bis du kommst in Herrlichkeit.» Aber wie funktioniert das mit der Erinnerung? Das Ereignis kommt ins Gedächtnis: Wir nehmen etwas wahr und dieses Wahrgenommene wird fragmentiert – in Teile zerlegt – und so in unserem Gehirn abgelegt. Bei der Erinnerung werden diese Informationen wieder hervorgeholt und zusammengefügt. Das Erinnern wird ausgelöst und beeinflusst durch äussere Anreize. Dabei besteht die Gefahr, dass Fragmente auch falsch zusammengesetzt werden können. Die falsche Erinnerung Diesbezüglich habe ich eine sehr eindrückliche Erfahrung. Als ich vor Jahren einmal am Allerseelentag eine Predigt hielt über die Möglichkeit, auch nach dem Tod noch durch die Barmherzigkeit Gottes von der Last der Sünde befreit zu werden, schloss ich meine Ausführungen damit, dass man diese Möglichkeit früher «Fegefeuer» genannt habe. Bei einigen Zuhörern weckte das Stichwort «Fegefeuer» die Erinnerung an Katechesen aus der Kindheit. Diese Kindheitserinnerungen ersetzten dann den Inhalt meiner Predigt, so dass diese Leute der festen Überzeugung waren, ich hätte heute das gepredigt, was sie vor Jahren gehört hatten. Die durch diese falsche Erinnerung entstandene Endtäuschung konnte nicht eigentlich durch Argumente beseitigt werden, sondern nur geduldiges Werben um neues Vertrauen. Alternativen zur Erinnerung Die Versuchung liegt nahe, nach objektiven Fakten zu suchen: Bilder, Texte, objektive Quellen, welche das historische Faktum belegen. Das ist verständlich, aber auf diesem Weg kommen wir nur zur toten Oberfläche der Vergangenheit, nicht zur lebendigen Wirklichkeit. Die Erinnerung ist und bleibt also der dem Menschen angemessene Weg. Umgang mit falscher Erinnerung Wenn etwas für real gehalten wird, ist es in seinen Konsequenzen real. Wenn jemand von etwas überzeugt ist, ist es sehr schwer, ihn davon abzubringen, auch wenn er im Unrecht ist. Man kann (und muss) geduldig einerseits objektive Fakten aufzeigen und andererseits der falschen Position nicht zu viel Gewicht beimessen. Mit etwas Glück wird sich die falsche Erinnerung plötzlich korrigieren. In ganz seltenen Fällen ist man in der Position, selbst entscheiden zu können/müssen und so den Irrenden auf den rechten Weg zu bringen. In der Regel bezahlt man dafür den Preis des absoluten Unverständnisses. Erinnerung in der Kirche Wenn es uns gelingt, immer wieder dieselben Dinge in Erinnerung zu rufen, dann wird die Erinnerung immer sicherer – ob sie nun richtig oder falsch ist. Von da her wird die Bedeutung der Tradition und der Apostolische Sukzession verständlich: Wir starten bei einem sichern Anfangspunkt, beim Herrn selber, und folgen einer ununterbrochene Kette von vom Hl. Geist gelenkten Erinnerungen. Wir bedenken die Geheimnisse des Glaubens und dringen so immer tiefer ein in diesen Glauben. Pfr. Stefan Kemmler