Stern am Geburtsort in der Basilika in Betlehem.

Der christliche Glaube ist sehr konkret

 

«Ich glaube an Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, … geboren von der Jungfrau Maria, … gekreuzigt gestorben und begraben…» so bekennen wir im Glaubensbekenntnis. Unser Glaube ist nicht eine allgemeine Idee, sondern etwas absolut Konkretes. Das wird einem beim Reisen durchs Heilige Land ganz bewusst. Jesus ist nicht irgendwo Mensch geworden, hat nicht irgendwo gelebt, sondern ist «HIER», in Betlehem geboren, ist «HIER» in Nazareth aufgewachsen und ist «HIER» in Jerusalem gestorben. Er ist über «DIESE» Felder und Höhen gewandert und hat «HIER» zu den Menschen von hier gesprochen.

Das ist von grosser Bedeutung auch für unser Glaubensleben heute. Die Worte der Heiligen Schrift sind nicht einfach allgemeine Prinzipien, sondern es ist Gott selber, der zu uns in unsere ganz konkreten Lebenssituationen hinein spricht. Er nimmt sich uns und unseren Problemen an und will uns helfen, unsere ganz konkreten Sorgen des Alltags zu meistern. Er hilft uns, die Last unseres Lebens zu tragen.

Dabei ist es nicht so, dass ich einfach machen kann, was ich will, oder was mir gerade vernünftig erscheint, weil ja «jede Situation anders ist und so eine menschliche Antwort braucht», sondern es ist so, dass ich gefordert bin, in jeder Situation zu fragen, was der Wille des Herrn ist, was er mir in dieser Situation sagen möchte und wohin er mich führen möchten. Dazu muss ich mich mit ihm auseinandersetzen, auf sein Wort hören, Zeit mit ihm verbringen, damit ich immer mehr seine Sprache verstehe und erkenne, was er mir zu sagen hat. Wenn ich so auf seine Stimme höre und seinem Wort folge, so strahlt seine Gegenwart in meinem Leben auf.

Diese Nähe Gottes ist aber auch herausfordernd. Hier im Heiligen Land sieht man sehr gut, wie der leidende Gottessohn auch heute noch unter uns ist: Während ich hier diesen Artikel schreibe schiessen im gleichen Land die einen Raketen auf die andern und die andern fliegen Luftangriffe. Da ist man froh, in den christlichen Einrichtungen etwas vom Frieden Gottes erfahren zu dürfen.

Zugleich sehen wir, dass auch IN der Kirche nicht alles so ist, wie es sein sollte und viele fragen sich, warum dies möglich ist. Aber auch das hängt damit zusammen, dass unser Glaube sehr konkret ist. Gott ist konkret und wirklich Mensch geworden. Die Kirche besteht nicht aus perfekten Ideal-Menschen, sondern aus ganz konkreten und realen Menschen wie sie und ich. Und aus eigener Erfahrung wissen wir, dass da eben nicht immer alles so ist, wie es sein sollte.

Genau das ist der Trost: Das Wort ist Fleisch geworden, Gott ist Mensch geworden. Der Herr ist in diese konkrete Wirklichkeit eingegangen und ist hier gegenwärtig. Er wartet nicht, bis alles perfekt ist (darauf könnte er lange warten), sondern er wird eins mit uns, um uns zu dem zu machen, wozu wir bestimmt sind. Wir glauben an einen Gott, der unsere Situation ernst nimmt, der Fleisch geworden ist, um uns zum Leben zu führen. So sind wir in dieser Fastenzeit aber auch in unserem ganzen Leben gut beraten, wenn wir auf seine Stimme hören und ihm nachfolgen. Er führt uns zum Leben.

Pfr. Stefan Kemmler


 

«Die drey scheenschte Dääg» in St. Anton

Welcher Bebbi kennt dieses Gefühl der Vorfreude nicht, diese Unruhe, dieses Kribbeln im Bauch. Schon Tage, ja vielleicht sogar Wochen vorher fängt es an und dann endlich ist er da, dieser magische Moment. Pünktlich um 4.00 Uhr morgens gehen auf einen Schlag alle Lichter der Innenstadt aus und man hört von allen Seiten: «Morgestraich, vorwärts, marsch!» Ein ganzes langes Jahr des Wartens hat ein Ende, nun können wir sie geniessen, «die drey scheenste Dääg». Ob Morgestraich, Cortège, Gässle, Schnitzelbängg oder Guggekonzärt, es hat für jeden etwas dabei. Einfach eintauchen in dieses laute, farbenfrohe Durcheinander, den Alltag und den Stress für 72 Stunden hinter sich lassen und die Welt für einmal mit ganz anderen Augen anschauen. Freunde treffen, durch die Strassen ziehen, eine feine «Mählsuppe» essen, kurzum das Leben geniessen. Genau darin hat die Fasnacht ja ihren Ursprung; vor der 40-tägigen Fastenzeit (nicht nachzählen, in Basel wird geschummelt) sollte noch einmal so richtig gefeiert, gegessen und getrunken werden, damit man die anschliessende, doch einigermassen entbehrungsreiche Fastenzeit gut überstehen konnte.

Fastenzeit und Fasnacht ist eine Gemeinsamkeit, aber es gibt noch mehr: Gemeinschaft pflegen mit anderen Gläubigen, den Alltag ein klein wenig vergessen, wenn wir den Gottesdienst besuchen und auch die gemeinsamen Pfarreifeste- und Essen. Der grösste Unterscheid jedoch besteht darin, dass uns die Fasnacht nach 72 Stunden wieder mit unserem Alltag alleine lässt, die Gemeinschaft mit Jesus jedoch begleitet uns das ganze Jahr hindurch, ja unser Leben lang!

Auch wenn sich die Fasnacht (und wohl auch die Fastenzeit) während der letzten Jahrhunderte stark verändert hat, die Faszination, die Magie ist geblieben. Ein klein wenig dieser Fasnachtsmagie möchten wir mit unserem Fasnachtsgottesdienst vom 9. März 17.30 Uhr und dem anschliessenden Kinderprogramm nach St. Anton bringen. Wenn das gottesdienstliche Beten von Fasnachtsmärsche begleitet wird, die Kirchenbesucher in einem Kostüm auftauchen und das Evangelium in besonderen Sprachrhythmen interpretiert wird, dann sind sie nicht mehr weit «die drey scheenschte Dääg!»

Für einige mögen dies ungewohnte Klänge in einer gewohnten Umgebung sein, für andere wiederum gewohnte Klänge in einer vielleicht eher ungewohnten Umgebung. Aber ob nun Fasnächtler, Katholik oder beides, wichtig ist doch einfach, dass wir unseren Glauben leben und unsere Fasnachtstradition pflegen und dies am besten gemeinsam, so wie an diesem Samstagabend. Deshalb laden wir Gross und Klein, Alt und Jung, kostümiert oder nicht, anschliessend an den Gottesdienst, ins Pfarreiheim ein. Zuerst geniessen wir gemeinsam ein kleines, feines «Fasnachtsmenü» und hören dazu nochmals Fasnachtsmärsche der JB Santihans. Danach können sich die Kinder, bei vielen tollen Fasnachtsspielen, vergnügen: Blagedde-Memory, Räpplibad, Däfischiesse, Stafettenlauf und vieles mehr. Natürlich haben wir auch für die grossen Besucher in dieser Zeit eine Beschäftigung zu bieten, lassen Sie sich überraschen!

Für das WiSta-Team,  Pia Dongiovanni

 


Aschermittwoch

Kehrt um und glaubt an das Evangelium!

Ein grosses Fest steht vor der Tür! Und solche wollen bekanntlich vorbereitet sein. Dem Fest der Auferstehung Jesu geht eine gut sechswöchige Vorbereitungszeit an Körper und Seele voran. Es sind Tage, in denen ich aufmerksam werde, wo ich mir im Laufe des vergangenen Jahres Gott gezähmt und mir seine Botschaft für mein Leben passend gemacht habe.

Am Aschermittwoch fällt der Startschuss. Der Name kommt vom Kreuz, das an diesem Tag mit Asche auf die Stirn gezeichnet oder über den Scheitel gestreut wird. Die Asche ist sowohl ein altbekanntes Reinigungsmittel als auch Symbol für Reue, Busse und Vergänglichkeit. Der Empfang des Aschekreuzes ist ein öffentliches Zeichen mit dem die Einzelne, der Einzelne bekundet, das Leben mit Jesus persönlicher gestalten und darin tiefer gehen zu wollen.

Die Dauer der vierzig Tage orientiert sich an Jesu Zeit in der Wüste. (Da die Sonntage Tage der Feier bleiben, sind sie bei der Zählung ausgenommen.)

Am Ende der Fastenzeit steht der Karfreitag, an dem wir der Passion Jesu gedenken. An einem Kreuz hängend starb er. Er wurde bestattet. Doch drei Tage später erstand er am Ostersonntag von den Toten. Sein Leben ist stärker als der Tod und dieses Leben möchte Jesus mit mir teilen. Welch wunderbares Angebot! Doch wie leicht geschieht es, dass ich sein Leben in mir vergesse. Wie oft versuche ich mich selbst mit Dingen glücklich zu machen – wie mit Fernsehen, dem Erhaschen von Aufmerksamkeit oder indem ich selbstbezogen Dinge für mich horte.

 

Während der Fastenzeit unternehme ich eine besondere Anstrengung, um mich nicht mit allem Möglichen füllen, sondern für Gott neu Raum zu schaffen. Doch in der Fastenzeit geht’s nicht einfach ums Aufgeben von Youtube oder heisser Schokolade. Denn diese Vorbereitungszeit ist eine Einladung, mir Zeiten zur Zwiesprache mit Gott zu nehmen (Gebet) und um Verzeihung zu bitten, wenn ich gefehlt habe. Und ich bin ingeladen, ganz allgemein im Leben Herzblut zu investieren, im Lieben und im Tun grosszügig zu sein. «Nicht immer glauben wir, dass Gott so konkret und im Alltag anwesend sein kann, so nah und wirklich [...] Und nicht selten verhalten wir uns wie die Bewohner von Nazareth, wenn uns ein Gott auf Distanz lieber ist: schön, gut, großzügig, schön dargestellt, aber fern, so dass er vor allem nicht unbequem wird, ein gezähmter Gott. Weil ein naher Gott im Alltag, ein Gott, der Freund und Bruder ist, von uns verlangt, Nähe, Alltäglichkeit und vor allem Geschwisterlichkeit zu lernen.» (Papst Franziskus an der Abschluss­messe des Weltjugendtages in Panama). Indem ich dies tue, kann ich eine erneuerte Erfahrung der Nähe Gottes machen.

Pascal Bamert

Kurzinfo:

Zur vierzigtägigen Fastenzeit gehören auch zwei «strenge» Fasttage sowie acht Abstinenztage. Aschermittwoch und Karfreitag sind Fasttage, an denen man sich nur einmal pro Tag satt essen und auf Zwischenmahlzeiten verzichten soll. Alle Freitage der Fastenzeit und der Aschermittwoch gelten als Abstinenztage, an denen auf Fleisch verzichtet werden soll. Die Regelungen gelten für gesunde Personen im Alter von 18 bis 59. Andere dürfen entsprechend ihren Möglichkeiten natürlich auch mitmachen.