25 Jahre Partnerschaft mit

der Pfarrei St. Gerhard in Vrsac / Serbien


Im Juni 1993 lernte ich an einem Pfarreienkongress Pfr. Laszlo von Vrsac kennen. Es war die Zeit, als der Balkankrieg tobte. Pfr. Laszlo erzählte mir von der grossen Not in den Spitälern seiner Stadt. Diese sind staatlich, und der Staat verbrauchte sein Geld für den Krieg. Beim Abschied versprach ich zu helfen. Doch wie war ein grosses Fragezeichen bei einem kriegsführenden Land. Ich stiess deshalb auf viel Widerstand, aber auch auf Hilfsbereitschaft im grösseren Stil.
Die erste Kleidersammlung, an der Kilbi 1993, war sehr erfolgreich. Mit einer Beglaubigung von Prof. Dr. H.P. Stählin bezogen wir Medikamente. Da auf dem Lande Embargos verhängt waren, brauchten wir Bewilligungen vom BAW und der UNO. So konnten wir am 17. Oktober 1993 zu unserem ersten Transport starten, ins Ungewisse. Es war nur sicher, dass wir nicht durchs Kriegsgebiet mussten. Es war uns bewusst, und das war bei allen Transporten so, dass wir „von guten Mächten wunderbar geborgen“ waren, denn es gab immer Schwierigkeiten an den Grenzen. Jedoch die Not, die wir in den Spitälern antrafen, überstieg unser Fassungsvermögen. Es war einfach schrecklich!

Ein Bild geht mir nie aus dem Sinn: eine junge Frau lag mit Lederriemen gefesselt im Bett und schaute mich furchtbar traurig an. Sie war nicht die Einzige! Im Akutspital bettelten sie um Spritzen, Kanülen und Blutdruckgeräte. Es gab fast nichts an Pflegematerial. Wir trugen eine schwere Last mit heim. Sie spornte uns an weiterzumachen.

Plötzlich ergaben sich Beziehungen und Möglichkeiten, die die Transporte wachsen liessen. Wir brauchten LKWs, Güterwagen, selbst Trämli für Belgrad wurden gefüllt.

2007 hörten wir mit den Transporten auf, weil der Staat dort unten plötzlich Zoll verlangte. Zwischenzeitlich wurde die Not bei den Bewohnern der Stadt auch immer grösser. Rentner bekamen neu die halbe Rente mit drei Monaten Verspätung. Die Arbeitslosigkeit stieg rasant. Das liess unsere Pfarreien zusammenwachsen. Wir eröffneten eine pfarreieigene Sprechstunde. Sogar das Akutspital schickte die Patienten in die Pfarrei.

Durch unsere häufigen Besuche lernten wir Land und Leute immer besser kennen, und die Beziehungen vertieften sich. Die Gastfreundschaft dort ist nicht zu übertreffen. Nur die sprachlichen Hürden werden immer höher. Die deutschsprachigen Bewohner sterben langsam aus oder gehen ins Ausland. Die Landessprache ist natürlich serbisch. Die Mitglieder der kath. Kirche sind fast ausschliesslich ungarischsprachig.

Im Jahr 2002 unternahmen wir unsere erste Pfarreireise nach Vrsac, für viele von uns unvergesslich. Ein Jahr später kam Pfr. Laszlo mit einer kleinen Gruppe dank eines Kleinbusses, den unsere Pfarrei geschenkt hatte, nach Basel. Überhaupt muss man den „St.Antönlern“ und „Ausserpfarreilichen“ ein Kränzlein winden; finanziell wurden wir immer kräftig unterstützt, sei es bei den Suppentagen, Benefizkonzerten, Kollekten, mit privaten Spenden, sowie Beiträgen von anderen Pfarreien und der Stadt Basel.

Nun starten wir am 20. September anlässlich unseres kleinen Jubiläums zu einer weiteren Pfarreireise nach Vrsac. Wir werden schon freudig erwartet und so, wie wir die Vrsacer kennen, legen sie sich wieder mächtig „ins Zeug“ für uns.

Monika Blasius


 

Foto: Ruedi Beck. Putzen des Pfarreizentrums, wo wöchentlich 1000 Kinder und Jugendliche sich treffen, wo 400 Familien Unterstützung für ihr tägliches Leben bekommen…

 

Hilfe für Christen in Syrien

 

Anfang einer Liebesgeschichte
Als ich im Sommer 2008 für 1 Woche Syrien besuchte und am Ende von Father N* verabschiedet wurde, hatte ich keine Ahnung, was dieser Besuch für mich bedeuten würde. Als dann wenige Jahre später ein von ausländischen Mächten losgetretener Bürgerkrieg das Land heimsuchte, wurde mir klar, wie sehr mir dieses Land am Herzen lag, ein Land mit alter christlicher Tradition (es gibt christliche Gemeinschaften, die noch die Sprache Jesu sprechen), ein Land mit eindrücklichen Klöstern und lebendigen Pfarreien.


Mit dem Krieg wächst die Not
Der Krieg zerstörte Dörfer, Städte und Familien. Die Menschen hatte keine Existenzgrundlage mehr und auch keine Perspektive im Leben, so dass viele junge Menschen nur nach einer Möglichkeit suchten, das Land zu verlassen. Die Tochter von Fahter N* (ein verheirateter kath. Priester) fragte eines Tages ihren Vater: «Alle verlassen unser Land, warum gehen wir nicht?» Er antwortete: «Ich muss doch bei meiner Pfarrei bleiben.» Die Tochter entgegnete: «Du schon, aber wir doch nicht!»  Die Berichte von Fahter N* zeigten auf, dass dieser Krieg eine ernsthafte Bedrohung war für das Christentum in dem Land, in dem Paulus seine Bekehrung erlebte.


Wo die Sünde (und das Elend) gross ist, wird die Gnade übermächtig
Krieg, Terror und Elend sind aber nur die eine Seite. Davon berichten meist die Medien. Es gibt aber auch die andere Seite: In den Dörfern und kleinen Städten schlossen sich die verschiedenen Kirchen und Muslimischen Gemeinschaften zusammen, um miteinander das Dorf gegen Terroristische Eindringlinge zu verteidigen und die Not der Menschen zu bekämpfen (Beeindruckend hierzu die Ansprache von Navid Kermani anlässlich der Verleihung des Friedenspreises des deutschen Buchhandels 2015:     www.) .  Die Regierung hat mitten im laufenden Krieg in den Städten, die viele Flüchtlinge aufnehmen mussten, neue Schulen und Universitäten gebaut, so dass die jungen Leute wenigstens etwas lernen konnten. Father N* hat in seinem Dorf Nothilfe für die Familien und Freizeitprogramme für die Kinder und Jugendlichen organisiert. Sie sollten wenigstens für ein paar Stunden am Tag den Krieg vergessen können, eine möglichst normale Kindheit haben, damit sie nicht traumatisiert aus dem Krieg herauskommen. Während all dieser Jahre konnten wir die Pfarrei in K* und die Arbeit von Pfarrer N* immer wieder unterstützen.


Hoffnung am Horizont
Nun sieht es so aus, dass es in Syrien wieder etwas ruhiger wird. Aber die Infrastruktur ist stark zerstört und das Land wirtschaftlich isoliert. Es braucht daher weiterhin die tatkräftige Unterstützung der Menschen dort. Es freut mich daher sehr, dass die diesjährige Basler Bettagskollekte  der Arbeit von Pfarrer N* zugute kommt.

Ich danke hier bereits für ihre grosszügige Unterstützung.

Pfr. Stefan Kemmler
 

 

 

Kilbi St. Anton im Pastoralraum Basel-Stadt

  • 91 Jahre Pfarrei St. Anton (20.2.27),

  • 85 Jahre Kirchweihe (13.9.33),

  • 73 Jahre Kilbi St. Anton (1945) und nun die

  • 1. Kilbi St. Anton im Pastoralraum Basel-Stadt.

 

91 Jahre Pfarrei St. Anton (20.2.27)

Diese Datenreihe zeigt eine interessante Entwicklungsgeschichte. Die Reihe beginnt mit der Errichtung der Pfarrei, welche zusammenfällt mit dem Bauabschluss und dem ersten Gottesdienst in der Kirche. Damit beginnt die Geschichte unserer Pfarrei. Bis zu diesem Zeitpunkt waren wir Teil der Pfarrei St. Joseph, nun sind wir eine selbständige Pfarrei.

85 Jahre Kirchweihe (13.9.33)
Die Mitte einer Pfarrei ist der Lebendige Gott. Gott wohnt mitten unter uns. Das kommt zum Ausdruck in der Kirchweihe. Die Kirche wird bestimmt als ein Ort, der reserviert ist für Gottesdienst und Gebet. Gott ist die lebendige Mitte des Pfarreilebens. Im Haus Gottes kommen wir zusammen, hören Gottes Wort, empfangen den Leib des Herrn.

73 Jahre Kilbi St. Anton
Der Glaube verheisst Leben in Fülle. Deswegen ist es naheliegend, dass das Feiern eine grosse Bedeutung hat. So wurde nach dem 2. Weltkrieg angefangen, die Kirchweihe gross zu feiern: Im Spätsommer 1945 fand die erste Kilbi statt. Diese Feiern hatten aber noch eine andere Dimension: Die Pfarrei war am Wachsen und so brauchte man Geld, um die wachsenden Bedürfnisse zu finanzieren. Auch hier war die Kilbi eine grosse Hilfe.

1. Kilbi St. Anton im Pastoralraum
Auf den ersten Blick könnte man meinen, dass wir da wieder einen Schritt zurück machen «eine kleiner werdende Pfarrei wird eingegliedert in den Pastoralraum». Aber «Meinungen» treffen oft nicht die Wirklichkeit. Die Kilbi St. Anton im Pastoralraum liegt ganz auf der Linie der Geschichte:

Gott ist die Mitte des Gemeinschaftslebens. Bis heute sind Gottesdienst und Gebet die Ausgangspunkte unseres Gemeinschaftslebens. Auch der Kirchweihtag (13. September) ist stets am Kilbi-Wochenende oder in der darauffolgenden Woche.


Die Pfarrei ist auch heute am Wachsen. Das Wachstum besteht aktuell vor allem darin, dass neue Sprach- und Kulturgruppen hinzukommen und das Pfarreileben bereichern. Das wirkt sich aus auf die Zahlen der Gottesdienstteilnehmenden und hoffentlich auch bald auf die Mitgliederzahlen.


Schliesslich ist auch die Dimension Pastoralraum Basel-Stadt geschichtsträchtiger als man denkt: Schon bei der Gründung der Pfarrei waren die Pfarreiangehörigen verbunden mit den andern Katholiken in Basel. Und heute feiert die Pfarrei St. Anton in und mit den andern Katholiken von Basel-Stadt (=Pastoralraum Basel-Stadt) ihre Kilbi.


So freue ich mich auf möglichst viele interessante Begegnungen an der Kilbi 2018.

Pfarrer. Stefan Kemmler