Adventslieder

Zur Adventszeit gehören Adventslieder – diese beschreiben das Warten, die Sehnsucht und die Hoffnung auf das Kommen des Herrn. Wir bedauern in diesen Wochen des Jahres 2020 (und natürlich auch in der darauf folgenden Weihnachtszeit) besonders stark, dass in unseren Gottesdiensten zurzeit kein gemeinsames Singen möglich ist! Einige traditionelle Adventslieder könnte man als geistliche Volkslieder bezeichnen, etwa das in der Barockzeit entstandene „Macht hoch die Tür, die Tor macht weit“. Daneben gibt es uralte Lieder, die auf lateinische Texte zurückgehen: Der Hymnus „Veni redemptor gentium“ des Ambrosius von Mailand (339–397) wurde von Martin Luther übersetzt als „Nun komm, der Heiden Heiland“; in unserem Gesangbuch ist die neuere Übersetzung „Komm, du Heiland aller Welt“ enthalten, die besser ausdrückt, was ursprünglich gemeint war.


Natürlich gibt es auch viele neue Adventslieder. Ich möchte auf zwei Beispiele hinweisen: In unserem KG ist als Nr. 306 ein Lied enthalten, das nach Bildern aus dem Alten Testament neu entstanden ist und für das der damals in der DDR tätige Theologe Jürgen Henkys einen niederländischen Text übersetzt hat: (1.) Das Volk, das noch im Finstern wandelt, / bald sieht es Licht, ein großes Licht. / Heb in den Himmel dein Gesicht / und steh und lausche, weil Gott handelt. (4.) Die Liebe geht nicht mehr verloren. / Das Unrecht stürzt in vollem Lauf. / Der Tod ist tot. Das Volk jauchzt auf / und ruft: „Uns ist ein Kind geboren!“ – Im ökumenischen Gesangbuch „rise up+“ stossen wir bei Nr. 009 auf ein Lied, in dem der Autor Helmut Schlegel den frühchristlichen Ausruf „Maranatha“ (in aramäischer Sprache: „Unser Herr wird kommen“ oder „Komm, o Herr!“) u.a. mit Bildern aus den Gleichnissen des Neuen Testaments verbindet: (Refrain:) Maranatha! Du Herr wirst kommen, / Maranatha! Und du klopfst an unsre Tür. / Maranatha! Wir öffnen freudig, / Maranatha! Und du lädst zum Festmahl ein. (1.) Ist noch Öl in euren Krügen? / Reicht es für die ganze Nacht? / Wisst ihr noch, worauf ihr wartet? / Kennt ihr den, der kommen wird? (3.) Sind die Türen weit geöffnet? / Weht im Haus ein frischer Wind? / Kommt die Sonne durch die Fenster? / Ist der Raum fürs Fest geschmückt?


Die Fragen der dritten Strophe passen sehr gut zum bevorstehenden dritten Adventssonntag. Dieser hat einen lateinischen Namen: Es ist der Sonntag „Gaudete“, der Sonntag „Freut euch“, benannt nach dem Beginn des Eröffnungsverses „Gaudete in Domino semper“: „Freut euch im Herrn zu jeder Zeit“ (aus dem Brief an die Philipper 4,4). Die Fragen der Liedstrophe nach offenen Türen, nach Sonne und frischem Wind führen uns zu der Frage, ob wir auch die Freude ausstrahlen, von der der Sonntag Gaudete seinen Namen hat – in diesem Sinne wünsche ich Ihnen eine freudige und erlebnisreiche zweite Hälfte der Adventszeit! Matthias Wamser



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